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SimCase: KI-Patient auf Abruf

21 July 2026 By SwissMed AI

⏱️ Lesezeit: ca. 3 Minuten


Dies ist der fünfte Artikel unserer Serie Startup in Spotlight, in der wir KI-Unternehmen im Gesundheitswesen vorstellen. Heute im Fokus: SimCase.ai.

Die Idee zu SimCase entstand aus der eigenen Prüfungserfahrung des Gründers, Dr. Dmitry Loktionov: Bei der Vorbereitung auf die OSCE-Prüfung (Objective Structured Clinical Examination - der praktische klinische Teil des Staatsexamens) war es schwierig, überhaupt Patientinnen und Patienten zum Üben zu finden - und selbst wenn man jemanden fand, gab niemand professionelles Feedback zur eigenen Leistung. Genau diese zwei Lücken will SimCase schliessen: Zugang zu Übungsgesprächen, jederzeit und unbegrenzt, und sofortiges, strukturiertes Feedback danach.


✅ Was SimCase abdeckt

Eine Session läuft wie ein Videoanruf mit einem Patienten ab: Man öffnet den Call im Browser und spricht sofort per Stimme mit dem KI-Patienten - genau wie im echten Gespräch. Ziel ist es, eine Anamnese zu erheben, Fragen zu Diagnose und Behandlung zu beantworten und weitere Arzt-Patienten-Gespräche zu üben.

Was die Plattform bietet:

  • Sprachbasierte Simulation: Gespräch per Stimme, nicht per Text

  • Grosse Fallbibliothek sowie die Möglichkeit, eigene Fälle direkt in der App zu erstellen, inkl. relevanter Bildgebung, Laborbefunde und klinischer Zeichen

  • Strukturiertes Feedback nach dem Gespräch je nach Sprachauswahl bzw. Standort - bewertet nach dem Calgary-Cambridge-Modell (ein international anerkanntes Rahmenwerk für ärztliche Kommunikation) für Schweizer Studierende sowie nach UKMLA-Kriterien (UK Medical Licensing Assessment) für britische Nutzende [1]

  • Swiss-Profiles-Kompatibilität: Das Feedback ist auf das Lernzielrahmenwerk des schweizerischen Bundesexamens ausgerichtet [2]

  • Nutzende wählen ihren Ausbildungsstandort in den Einstellungen; das Bewertungssystem passt sich entsprechend an

  • Verfügbar auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Laut Dr. Loktionov nutzen Studierende aus dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, Georgien und den Golfstaaten (Saudi-Arabien, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate) die Plattform. Eine Zusammenarbeit mit der Universität Genf ist im Gange.

SimCase-Ablauf, demonstriert von Dr. Loktionov

Was unter der Haube steckt: Für Sprachverständnis und klinisches Reasoning setzt SimCase auf grosse Sprachmodelle (LLMs). Die medizinischen Fallinhalte selbst stammen laut Hersteller aus publizierten Fallstudien sowie aus der Zusammenarbeit mit Dozierenden und Studierenden. Wer eigene Fälle erstellt, behält dabei volle Kontrolle über die Inhalte.


💬 Näher an der Realität, aber kein Ersatz

Dr. Loktionov ist offen, was die Grenzen der Simulation angeht: Echte menschliche Interaktion, vor allem Körpersprache und Emotionen, lassen sich nicht replizieren. Was SimCase nach eigener Einschätzung aber bietet, ist eine Annäherung, die im Alltag praktisch wird: Übungsgespräche lassen sich zu jeder Zeit führen, auch zuhause, ohne Anfahrt und ohne Terminfindung. Was nicht möglich ist: das Üben körperlicher Untersuchungen.

Screenshot, Symptom/Krankheit/Fachdisziplin wählen


📊 Was die Daten zeigen

Unabhängige klinische Studiendaten liegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor. Das Unternehmen berichtet von Rückmeldungen Studierender, die ein gesteigertes Selbstvertrauen im Patientengespräch beschreiben. Der Gründer räumt offen ein, dass SimCase bislang nicht offiziell als Prüfungsvorbereitungstool getestet wurde. Er arbeitet aber darauf hin.

Zur Qualitätssicherung führt das Unternehmen interne Überprüfungen durch und stützt sich zusätzlich auf laufendes Nutzerfeedback, weil die Plattform für Studierende gebaut wurde und entsprechend genau auf ihre Rückmeldungen hört.


🔭 Was noch kommt, und was SimCase heute schon bringt

SimCase ersetzt weder Schauspielpatienten noch Tutoren - das sagt Dr. Loktionov selbst offen. Noch nicht möglich:

  • Körpersprache und Emotionen: Das Gespräch bleibt vorerst rein sprachlich

  • Beide Aspekte befinden sich bereits in der Planungs- und Entwicklungsphase

Auch die KI-Bewertung sieht er nicht als endgültigen Massstab, sondern als Orientierungshilfe; sie bildet Gesprächsstruktur und Kommunikation ab, nicht die vollständige klinische Kompetenz.

Sein Argument: Der Wert von SimCase liegt nicht darin, die reale Prüfungssituation zu kopieren, sondern darin, wie oft man üben kann. Unbegrenzte, bewertungsfreie Wiederholungen derselben Gesprächsstruktur und Kommunikationskriterien, die auch in der Prüfung gelten. Seine Frage an Studierende: Lieber mit drei oder mit fünfzehn geübten Gesprächen in die Prüfung gehen?

Screenshot: Auswertung


🔎 Das Wichtigste auf einen Blick

  • Was es ist: sprachbasierte KI-Patientensimulation im Browser

  • Für wen: Medizinstudierende in der OSCE-Vorbereitung

  • Feedback-Modell: Calgary-Cambridge, UKMLA-Kriterien

  • Technik: grosse Sprachmodelle (LLMs); Fallinhalte aus publizierten Fallstudien, Dozierenden und Studierenden, plus eigene Falleingabe

  • Preis: SimCase kostet £15–20/Monat (ca. CHF 17–23) für 360 Übungs-Credits (6 Stunden), oder Pay-as-you-go ab 30 Gratis-Credits ohne Abo.

  • Hier ist eine interaktive Demo zum Selbst-Ausprobieren: (Link)


Quellen

  1. SimCase.ai, Website: https://www.simcase.ai

  2. IML, Swiss Federal Licensing Exam in Human Medicine: iml.unibe.ch

  3. Calgary–Cambridge model: Wikipedia

  4. SimCase AI, The Org: theorg.com/org/simcase-ai

  5. Interviewmaterial mit dem SimCase-Gründer Dr. Dmitry Loktionov


Disclosure: Kein Interessenkonflikt. Dieser Artikel dient ausschliesslich der unabhängigen Vorstellung von SimCase.ai. Er ist weder bezahlt noch gesponsert und enthält keine Bewertung.

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