Blog
Weniger Bildschirm, mehr Patient: Was Isaac für Schweizer Arztpraxen verspricht
Ein Blick auf Saipients Isaac und darauf, wie KI-gestützte Dokumentation den Praxisalltag in der Schweiz entlasten könnte.
Dies ist der erste Artikel unserer Serie Startup in Spotlight, in der wir KI-Unternehmen im Gesundheitswesen vorstellen. Den Anfang macht Saipient — mit einem Ansatz, der die Dokumentation von Grund auf neu denkt.
Lesezeit: ca. 3 Minuten
Dokumentation frisst Zeit - das ist keine neue Erkenntnis, aber ein Problem, das im Praxisalltag täglich spürbar ist. Das Schweizer Unternehmen Saipient hat mit Isaac ein KI-System entwickelt, das Ärztinnen und Ärzte vor, während und nach der Konsultation entlastet. Wir haben mit Fabrice Gürmann, Mitgründer und Managing Director von Saipient, gesprochen und seine Antworten zusammengefasst.
✅ Was Isaac abdeckt
Anders als viele Tools, die nur einen Schritt automatisieren, begleitet Isaac den gesamten Konsultationsablauf:
-
Pre-Charting: Vorbereitung der Konsultation aus Vorakten, bevor der Patient eintrifft
-
Dokumentation in Echtzeit während des Gesprächs
-
Nachbereitung: Berichte, Kostengutsprachen und TARDOC-Codierung
Das System ist heute in Hausarztpraxen, Spitalambulatorien und Spezialistenpraxen im Einsatz. Der konkrete Nutzen variiert je nach Fachrichtung und Dokumentationsaufwand.
📊 Was die Daten zeigen
Laut Fabrice Gürmann sparen Ärztinnen und Ärzte mit Isaac im hausärztlichen Alltag durchschnittlich rund eine Stunde pro Tag. Separat dazu wurde eine randomisierte Simulationsstudie in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich durchgeführt und 2026 im Journal of Clinical Anesthesia publiziert. Die Studie untersuchte Isaac in der Anästhesiesprechstunde. 30 Anästhesisten testeten Isaac. Die Ergebnisse:
Rahrisch et al., Journal of Clinical Anesthesia (2026) — randomisierte Simulationsstudie, USZ
-
78 % weniger Bildschirmzeit
-
87 % weniger Tipparbeit
-
Bessere wahrgenommene Arzt-Patienten-Interaktion
-
Geringere mentale Arbeitsbelastung
-
60 % der Ärztinnen und Ärzte bevorzugten KI-Unterstützung im Alltag
-
Einschränkung: Externe Gutachter bewerteten die Dokumentationsqualität der KI-Berichte tiefer als manuelle Berichte (PDQI-9); Unterschiede hauptsächlich in Struktur und Präzision
Studiendesign: randomisierte Simulationsstudie, n=30 Anästhesisten, USZ Zürich. Getestete Isaac-Version war ein früher Prototyp.
🇨🇭 Entwickelt für die Schweiz
Besonders relevant für den hiesigen Markt:
-
Alle vier Landessprachen im User Interface; gesprochene Sprache und Freitext in über 70 Sprachen — inklusive Schweizerdeutsch und verschiedene Dialekte, auch im Wechsel mit Hochdeutsch
-
Berichte können in einer anderen Sprache erstellt werden als das Gespräch
-
TARDOC-Codierung integriert
-
Schweizer Serverinfrastruktur; auf Wunsch bei einem Schweizer Cloud-Anbieter für vollständige Datensouveränität
-
Kosten: ca. CHF 150 bis CHF 239 pro Nutzer/Monat, abhängig von Funktionsumfang und Lizenzanzahl
⚠️ Umgang mit Fehlern
KI-Systeme machen Fehler - das gilt auch für Isaac. Saipient setzt nach eigenen Angaben verschiedene Safety-Checks ein. Die ärztliche Prüfung der Ausgaben bleibt laut Gürmann integraler Bestandteil des Workflows. Isaac ist als unterstützendes System konzipiert, nicht als autonomes.
🔎 Das Wichtigste auf einen Blick
-
Gesamter Konsultations-Workflow abgedeckt - nicht nur Berichtserstellung
-
Speziell für den Schweizer Markt: TARDOC, vier Landessprachen, Schweizer Infrastruktur
-
Zahlen aus USZ-Studie publiziert - siehe Quellenangaben
-
Einsatz in Hausarztpraxen, Spitalambulatorien und Spezialistenpraxen
-
Ärztliche Prüfung der KI-Ausgaben bleibt erforderlich
SwissMed AI plant, Isaac und weitere KI-Tools künftig auch unter realen Bedingungen in einer Pilotpraxis zu testen. Ergebnisse werden hier auf dem Blog veröffentlicht.
Quellen
-
Rahrisch et al. Generative AI in preanesthetic consultations. Journal of Clinical Anesthesia. 2026;110:112163.
-
Saipient AG: https://www.saipient.com