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KI in der Psychotherapie: Chancen, Grenzen und Tipps für den Einstieg

14 April 2026 By SwissMed AI
KI in der Psychotherapie: Chancen, Grenzen und Tipps für den Einstieg

Stefan Krucker hat über 20 KI-Dokumentationstools evaluiert. Ein Gespräch darüber, wo sie helfen, wo sie an Grenzen stossen und warum kritische Kontrolle unverzichtbar bleibt.

Stefan Krucker hat über 20 KI-Dokumentationstools evaluiert. Ein Gespräch darüber, wo sie helfen, wo sie an Grenzen stossen und warum kritische Kontrolle unverzichtbar bleibt.

⏱️ Lesezeit: ca. 4 Minuten


Wer eine psychotherapeutische Praxis führt, kennt das Problem: Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit fliesst nicht in die Arbeit mit Patient:innen, sondern in die Dokumentation. KI-gestützte Tools, sogenannte Ambient Scribes, sollen hier entlasten. Sie transkribieren Gespräche und erstellen Zusammenfassungen.

Stefan Krucker, Psychologe, Webdesigner und Praxisberater in Bern, hat sich intensiv mit solchen Tools beschäftigt. Über Psychotext.ch hat er mehr als 300 Website-Projekte für Therapeut:innen begleitet. Im letzten Jahr setzte er sich zudem systematisch mit KI-Dokumentationstools auseinander und baute eine Vergleichsplattform für den deutschsprachigen Raum auf.

💡 Wie Stefan Krucker zum Thema kam

Sein Zugang war praxisnah. In der Beratung von Therapeut:innen, die eine Praxis aufbauen, sucht er laufend nach Werkzeugen, die den Alltag erleichtern.

Als erstes Schweizer Produkt wurde PlaynVoice getestet, das sich gezielt an Psychotherapeut:innen in der Schweiz richtet und sogar Schweizerdeutsch erkennt. Kurz darauf stiess Stefan Krucker auf das deutsche Tool VIA.

Nach eigener Einschätzung wurde schnell klar, dass der Markt wächst und Orientierung schwieriger wird. Krucker begann deshalb, Tools nach eigenen Kriterien zu testen und zu dokumentieren. Auf seiner Plattform werden nur Tools aufgenommen, die sich in seinen Tests als praktikabel für den therapeutischen Alltag erwiesen haben.

🩺 Was sich im Praxisalltag verändert

Aus Kruckers Sicht liegt der wichtigste praktische Effekt in der Entlastung während des Gesprächs.

Mögliche Vorteile laut Krucker:

  • weniger gleichzeitiges Zuhören und Mitschreiben

  • mehr Fokus auf Patient:innen, besonders zu Beginn einer Behandlung

  • Zeitgewinn bei der Dokumentation

  • potenziell weniger Ermüdung am Ende des Arbeitstags

💬 Wie Patient:innen reagieren

Auf Seiten der Patient:innen beschreibt Krucker die Veränderung als eher gering. Das Smartphone liege auf dem Tisch und zeichnet auf. Nach seiner Beobachtung trete dieser Umstand im Gespräch oft in den Hintergrund. Die meisten Patienten hätten nichts dagegen.

⚠️ Wo die Grenzen liegen

Die grösste Schwäche der Tools sieht Krucker in der Interpretation des Gesagten.

Mögliche Probleme:

  • einzelne Details können durcheinandergeraten

  • je nach Tool oder Modell können Inhalte ergänzt werden, die so nicht gesagt wurden

Für ihn ist deshalb klar:
Die kritische Kontrolle und Anpassung der KI-Zusammenfassung ist zwingend.

Trotzdem fällt sein Gesamturteil positiv aus. Viele Tools könnten Inhalte gut verdichten, strukturieren, ordnen und würden teils auch auf Aspekte hinweisen, die sonst übersehen würden. Krucker berichtet ausserdem, dass einzelne Therapeut:innen die KI-Zusammenfassung am Ende der Sitzung gemeinsam mit den Patient:innen besprechen.

🔐 Worauf Praxen beim Einstieg achten sollten

Stefan Krucker empfiehlt, den Einstieg pragmatisch anzugehen: zuerst die eigenen Anforderungen klären, dann mehrere Tools testen.

Wichtige Fragen dabei:

  • brauche ich ein einfaches, sofort nutzbares Tool?

  • möchte ich Transkripte selbst einsehen und prüfen können?

  • brauche ich eigene Vorlagen, etwa für Berichte?

  • soll das Tool nur die Sitzung aufnehmen oder auch weitere Dokumente wie Vorbefunde, Notizen oder Berichte einbeziehen?

Auch der Datenschutz sollte früh mit berücksichtigt werden.

Relevant sind aus seiner Sicht vor allem diese Punkte:

  • wo und wie Daten verarbeitet werden

  • ob ein US-Anbieter infrage kommt oder nicht

  • welche Folgen das für Datenschutz und Schweigepflicht hat

Krucker betont, dass die Einschätzungen dazu selbst unter Fachleuten auseinandergehen.

🧪 Seine praktische Empfehlung

Mehrere Tools testen.

Warum?

  • die Unterschiede zwischen den Tools seien deutlich

  • auch preislich gebe es Unterschiede

  • etabliertere Anbieter seien aus seiner Sicht tendenziell ausgereifter, neuere Anbieter könnten dafür mit Zusatzfunktionen oder günstigeren Einstiegspreisen auffallen

🔎 Das Wichtigste auf einen Blick

  • Plattform: kuenstliche-intelligenz-psychotherapie.com vergleicht mehrere KI-Dokumentationstools für Psychotherapeut:innen im deutschsprachigen Raum und bietet Workshops sowie Beratung an

  • Möglicher Nutzen: weniger Dokumentationsaufwand, mehr Fokus im Gespräch, weniger Multitasking

  • Zentrale Limitation: KI-Zusammenfassungen können Fehler enthalten, menschliche Prüfung bleibt zwingend.

  • Patientenakzeptanz: laut Kruckers Praxiserfahrung oft hoch

  • Datenschutz: Fragen zu Datenverarbeitung, Schweigepflicht und rechtlicher Einordnung müssen sorgfältig geprüft werden

  • Empfehlung: mehrere Tools praktisch testen und nicht nur nach Marketingversprechen entscheiden


📚 Quellen

Interviewmaterial mit Stefan Krucker, Psychologe, Praxisberater und Texter.

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