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Epic und KI in der Schweiz: Was läuft, was kommt
Mehrere Schweizer Universitätsspitäler werden bis 2027 gleichzeitig mit Epic-Systemen arbeiten. Was kann die KI bereits – und was kommt noch?
Epic in der Schweiz: Wer ist bereits dabei?
Aktive Systeme
- LUKS-Gruppe – In Betrieb seit 2019; Spital Nidwalden integriert Anfang 2024
- Insel Gruppe / Inselspital Bern – In Betrieb seit März 2024
Geplante Implementierungen
- USZ Zürich – Auftrag vergeben August 2025 (CHF 94.8 Mio.); frühester Start 2027
- Kispi Zürich – Vertrag November 2023 (bis zu CHF 51.2 Mio.); geplant bis Ende 2027
- CHUV + 11 Waadtländer Spitäler – Auftrag November 2025 nach Bundesgerichtsverfahren
- Kanton Bern – Gesetzesrevision in öffentlicher Vernehmlassung
Was Epic's KI heute schon kann
KI-gestützte Dokumentation
Das System hört Konsultationen zu, transkribiert Gespräche und erstellt Entwürfe für klinische Notizen. Hersteller berichten von signifikanter Reduktion des Dokumentationsaufwands – unabhängige wissenschaftliche Validierung steht weitgehend aus.
Klinische Entscheidungsunterstützung
Epic analysiert Laborbefunde, Vitalparameter und Medikationen in Echtzeit und liefert Hinweise zu Sepsis-Risiko, Wiederaufnahmegefahr und Therapievergleichen. Grundlage ist die Cosmos-Datenbank mit 300 Millionen anonymisierten Patientendatensätzen und 16 Milliarden Behandlungsereignissen aus über 300 Krankenhäusern weltweit.
Wichtige Einschränkung: Der Großteil der Trainingsdaten stammt aus dem US-amerikanischen Gesundheitssystem – die Übertragbarkeit auf Schweizer Leitlinien und SwissDRG ist fraglich.
Administrative Tools
Penny unterstützt bei der Kodierungsvorschlägen, Versicherungsreklamationen und automatisierter Abrechnungsverfolgung – aktuell primär auf den US-Markt ausgerichtet.
Drei neue KI-Assistenten im Überblick
Art (für Kliniker)
Bereitet relevante klinische Informationen vor und erstellt Verlaufsnotizen automatisch (AI Charting, Microsoft-Partnerschaft). In den USA ab Anfang 2026 verfügbar; Schweizer Einführungszeitpunkt noch offen.
Emmie (patientenorientiert)
Chatbot im Patientenportal für Befunderklärungen und Terminvorschläge. In der Schweiz weniger relevant, da MyChart-Nutzung deutlich geringer als in Nordamerika.
Curiosity (Prognosemodell)
Simuliert Krankheitsverläufe und schätzt Hospitalisierungsbedarf sowie 30-Tage-Wiederaufnahmegefahr auf Basis von über 100 Milliarden medizinischen Ereignissen (Yale/Microsoft-Entwicklung). Pilotphase 2026; klinischer Einsatz in der Schweiz noch Jahre entfernt.
Implikationen für die Schweiz
LUKS und Inselspital erhalten KI-Updates automatisch über Epic's halbjährliche Releases. Im Mai 2024 konnten Inselspital-Ärzte erstmals direkt auf LUKS-Patientendaten in Epic zugreifen – der erste interinstitutionelle Datenaustausch zwischen Schweizer Epic-Installationen.
Datenschutz
Der US Cloud Act ermöglicht amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten von US-Unternehmen – unabhängig vom Serverstandort. Mehrere Zürcher Kantonsratsmitglieder haben Interpellationen eingereicht. USZ und LUKS betonen Schweizer Serverstandorte, was jedoch nur vertraglichen, keinen gesetzlichen Schutz darstellt.
Handlungsempfehlung: Wer in einem Spital arbeitet, das Epic plant, kann noch mitgestalten, welche KI-Funktionen aktiviert werden – bevor institutionelle Entscheidungen ohne klinischen Input fallen.
Fazit
KI-Automatisierung entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn die Modelle auf den lokalen klinischen Kontext abgestimmt sind. Schweizer Fachpersonen sollten aktiv nachfragen, welche Funktionen in ihrer Institution aktiviert sind.