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Epic und KI in der Schweiz: Was läuft, was kommt

17 February 2026 By SwissMed AI
Epic und KI in der Schweiz: Was läuft, was kommt

Mehrere Schweizer Universitätsspitäler werden bis 2027 gleichzeitig mit Epic-Systemen arbeiten. Was kann die KI bereits – und was kommt noch?

Epic in der Schweiz: Wer ist bereits dabei?

Aktive Systeme

  • LUKS-Gruppe – In Betrieb seit 2019; Spital Nidwalden integriert Anfang 2024
  • Insel Gruppe / Inselspital Bern – In Betrieb seit März 2024

Geplante Implementierungen

  • USZ Zürich – Auftrag vergeben August 2025 (CHF 94.8 Mio.); frühester Start 2027
  • Kispi Zürich – Vertrag November 2023 (bis zu CHF 51.2 Mio.); geplant bis Ende 2027
  • CHUV + 11 Waadtländer Spitäler – Auftrag November 2025 nach Bundesgerichtsverfahren
  • Kanton Bern – Gesetzesrevision in öffentlicher Vernehmlassung

Was Epic's KI heute schon kann

KI-gestützte Dokumentation

Das System hört Konsultationen zu, transkribiert Gespräche und erstellt Entwürfe für klinische Notizen. Hersteller berichten von signifikanter Reduktion des Dokumentationsaufwands – unabhängige wissenschaftliche Validierung steht weitgehend aus.

Klinische Entscheidungsunterstützung

Epic analysiert Laborbefunde, Vitalparameter und Medikationen in Echtzeit und liefert Hinweise zu Sepsis-Risiko, Wiederaufnahmegefahr und Therapievergleichen. Grundlage ist die Cosmos-Datenbank mit 300 Millionen anonymisierten Patientendatensätzen und 16 Milliarden Behandlungsereignissen aus über 300 Krankenhäusern weltweit.

Wichtige Einschränkung: Der Großteil der Trainingsdaten stammt aus dem US-amerikanischen Gesundheitssystem – die Übertragbarkeit auf Schweizer Leitlinien und SwissDRG ist fraglich.

Administrative Tools

Penny unterstützt bei der Kodierungsvorschlägen, Versicherungsreklamationen und automatisierter Abrechnungsverfolgung – aktuell primär auf den US-Markt ausgerichtet.


Drei neue KI-Assistenten im Überblick

Art (für Kliniker)

Bereitet relevante klinische Informationen vor und erstellt Verlaufsnotizen automatisch (AI Charting, Microsoft-Partnerschaft). In den USA ab Anfang 2026 verfügbar; Schweizer Einführungszeitpunkt noch offen.

Emmie (patientenorientiert)

Chatbot im Patientenportal für Befunderklärungen und Terminvorschläge. In der Schweiz weniger relevant, da MyChart-Nutzung deutlich geringer als in Nordamerika.

Curiosity (Prognosemodell)

Simuliert Krankheitsverläufe und schätzt Hospitalisierungsbedarf sowie 30-Tage-Wiederaufnahmegefahr auf Basis von über 100 Milliarden medizinischen Ereignissen (Yale/Microsoft-Entwicklung). Pilotphase 2026; klinischer Einsatz in der Schweiz noch Jahre entfernt.


Implikationen für die Schweiz

LUKS und Inselspital erhalten KI-Updates automatisch über Epic's halbjährliche Releases. Im Mai 2024 konnten Inselspital-Ärzte erstmals direkt auf LUKS-Patientendaten in Epic zugreifen – der erste interinstitutionelle Datenaustausch zwischen Schweizer Epic-Installationen.

Datenschutz

Der US Cloud Act ermöglicht amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten von US-Unternehmen – unabhängig vom Serverstandort. Mehrere Zürcher Kantonsratsmitglieder haben Interpellationen eingereicht. USZ und LUKS betonen Schweizer Serverstandorte, was jedoch nur vertraglichen, keinen gesetzlichen Schutz darstellt.

Handlungsempfehlung: Wer in einem Spital arbeitet, das Epic plant, kann noch mitgestalten, welche KI-Funktionen aktiviert werden – bevor institutionelle Entscheidungen ohne klinischen Input fallen.


Fazit

KI-Automatisierung entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn die Modelle auf den lokalen klinischen Kontext abgestimmt sind. Schweizer Fachpersonen sollten aktiv nachfragen, welche Funktionen in ihrer Institution aktiviert sind.